Zusammenhänge zwischen Corona und Kurzsichtigkeit im Kindesalter

25 Jan. 2021

Seit Beginn der Corona-Pandemie schreitet die Kurzsichtigkeit bei Schulkindern stärker voran. Das sagt jedenfalls die Studie „Progession of Myopia in School-Aged Children After COVID-19 Home Confinement“ aus, die die Universitäts-Augenklinik in Tianjin veröffentlicht hat.

Die Myopie-Progression, also das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Schulkindern, scheint in der Corona-Pandemie seit Anfang 2020 stärker angestiegen zu sein, als in den Jahren zuvor.
Dafür verantwortlich gemacht werden können in diesem Zusammenhang die coronabedingten Lockdowns sowie die Schul- und Kindergarten-Schließungen. Kinder in den 1. bis 4. Klassen halten sich weniger im Freien auf und verbringen mehr Zeit an digitalen Endgeräten.
Diese Ergebnisse hat Xuehan Qian mit seinem Team von der Universitäts-Augenklinik in Tianjin mit obiger Studie ermittelt.

Es wurden in dieser Studie ca. 124.000 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren an verschiedenen Grundschulen in China untersucht.
Danach hat sich bei den 6 bis 8 jährigen Kindern ihre Sehkraft im Jahr 2020 im Mittel um ca. 0,3 dpt verschlechtert. Das ist das eineinhalb bis dreifache der normalen, aus den Vorjahren bekannten Verschlechterung.

Wir wissen alle, dass sich der Augapfel besonders bei den jüngeren Kindern noch in der Wachstumsphase befindet. Hier wirken sich die reduzierten Aktivitäten an der frischen Luft und bei Tageslicht besonders auf das Längenwachstum des Auges aus. Kombiniert mit den zunehmenden Tätigkeiten im Raum und an digitalen Endgeräten fördern diese veränderten Gewohnheiten das Augenlängenwachstum und damit das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit dramatisch.

Jetzt kann man sagen: das ist ja in China und nicht in Europa. Aber dennoch beobachten wir auch in Deutschland bereits ein auffälligeres stärkeres Voranschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern.

Warum wir das Thema sehr ernst nehmen müssen, habe ich bereits in einem der vorhergehenden Artikel ausführlich erläutert.

Was können Sie als Eltern und Erzieher dagegen unternehmen?

1.:
Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder trotz der vielen Formen des digitalen Unterrichtes viel Zeit im Freien verbringen. Mindestens sollten sich Kinder ca. 2 Stunden am Tag draußen aufhalten, besser sind 3-4 Stunden.

2.:
Animieren Sie Ihre Kinder, wenn sie sich im Freien aufhalten, sich viel zu bewegen, zu toben, rennen, ballancieren, Verstecken spielen etc. Viel Bewegung ist für die gesamte körperliche Entwicklung positiv, daher auch für die Sehentwicklung.

3.:
Achten Sie bei Ihren Kindern auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Hier sollte viel Obst, frisches Gemüse und Fisch bzw. helles Fleisch wie Hänchen auf dem täglichen Speiseplan stehen.

4.:
Ihr Kind sollte immer auseichend und viel trinken. Hierbei ist darauf zu achten, dass die angebotenen Getränke möglichst kein Zucker enthalten. Limonaden etc. sind nicht geeignet.

5.:
Bitte verwenden Sie auch keine Lebensmittel oder Getränke mit künstlichen Zuckerersatzstoffen. Der natürliche Zuckerersatz Stevia eignet sich allerdings immer gut, wenn Sie etwas süßen möchten und kein Volumen brauchen. So ist das Süßen von einer Quarkspeise mit Stevia perfekt, Kuchen kann damit allerdings nicht gebacken werden.

6.:
Achten Sie bei Ihren Kindern, wenn diese lesen, schreiben oder am Bildschirm sitzen, immer auf den richtigen Abstand der Augen zum betrachteten Objekt. Der optimale Leseabstand ist bei jedem Menschen immer die Unterarmlänge. Das heißt: wenn Sie oder Ihr Kind die eigene Faust unter das Kinn legen und den Ellenbogen auf das Buch, so ist genau der optimale Lese-Abstand erreicht, die sogenannte Harmonentfernung.

7.:
Sorgen Sie bei den Hausaufgaben dafür, dass Ihr Kind am Fenster oder wenn möglich auf dem Balkon oder der Terrasse sitzt: Hier bekommt es mehr Tageslicht, als an einem fensterfernen Platz im Raum.

8.:
Pro 10 Minuten Naharbeit sollte der visuelle Ausgleich für die Ferne erfolgen. Das heißt, lassen Sie Ihr Kind einfach mal aus dem Fenster schauen.

9.:
Mobiles oder Traumfänger, die sich im Raum bewegen und sich im Blickwinkel Ihres am Schreibtisch sitzenden Kindes befinden, erhöhen die visuelle Aufmerksamkeit auf die Perepherie. Dieses verhindert zu geringe Arbeitsabstände.

10.:
Trägt Ihr Kind bereits eine Brille, dann lassen Sie die Augen Ihres Kindes spätestens alls 4-6 Monate überprüfen. Das gilt besonders, wenn bereits eine Kurzsichtigkeit vorliegt. Trägt Ihr Kind keine Brille, ist eine 6-9 monatige Kontrolle angeraten.

11.:
Gerade, wenn Ihr Kind bereits kurzsichtig ist, oder Sie als Eltern kurzsichtig sind; und vor allem, wenn Sie bereits ein Fortschreiten der Kuzsichtigkeit bei ihrem Kind beobachtet haben (die Brillengläser sind stärker geworden), sollten Sie umgehend handeln, damit aus einer leichten Kuzsichtigleit keine hochgradige wird.
Fragen Sie uns! Wir können das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit im Kindesalter bremsen.

12.:
Beobachten Sie ganz genau die Augen Ihrer Kinder: Wenn Sie häufig ein Blinzeln, ein nach vorne neigen, Kopfschmerzen, Augenbrennen, gerötete Augen oder juckende Augen bemerken, dann kann es ein Hinweis auf eine Fehlsichtigkeit sein.
Das sollte auf jeden Fall abgeklärt werden. Denn eine „Nicht-Korrektur“ oder eine „Unterkorrektur“ können das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit genauso fördern, wie die oben beschriebenen Phänomene.

13.:
Wenn Ihr Kind bereits ein Brillenträger ist, achten Sie darauf, dass die Brille immer gut, fest, und gerade sitzt. Ihr Kind sollte nicht über die Brille hinweg schauen können.
Auch sollten die Brillengläser stets sauber sein und sollten keine Kratzer vorweisen. Ebenfalls sollten die Nasenauflagen keine Druckstellen hinterlassen und/oder verschmutzt sein.

Haben Sie weitere Fragen?

Wir stehen Ihnen jederzeit gerne für sämtliche Fragen zur Verfügung. Scheuen Sie sich nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.

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